Bericht der 19. Tagung der AG (9) Geschichte der Pflanzenzüchtung: Gemeinsame Vortragstagung mit der Deutschen Gesellschaft für Geschichte und Theorie der Biologie am 14./15. März 2013 in Halle/ S. “Persönlichkeiten aus Pflanzenforschung und -züchtung im Hallenser Raum”

– 60 Anmeldungen –

Vorbereitung und Organisation:
Prof. Dr. W. E. Weber

Leitung:
Prof. Weber, Dr. A. Meinel, Dr. K. Wenig

Dr. A. Meinel hieß die Teilnehmer im „Julius-Kühn-Saal“ des Institutes für Agrar- und Ernährungswissenschaften der Universität Halle, dem neuen Hörsaal des ältesten landwirtschaftlichen Institutes an deutschen Universitäten willkommen. Erste Kontakte zwischen den gemeinsam tagenden Gesellschaften knüpften Prof. Odenbach und Prof. Höxtermann im Sommer 2010. Auf einer Beratung in Berlin im November 2011, in deren Verlauf das beiderseitige Interesse an einer Zusammenarbeit zum Ausdruck kam, wurden das Thema sowie Tagungsort und –termin dieser ersten Vortragstagung festgelegt. – Beide Gesellschaften wurden nach der Wiedervereinigung Deutschlands gegründet, haben historisch jedoch tiefere Wurzeln. In der DGGTB wirken Wissenschaftshistoriker und Wissenschaftler auf dem gesamten Gebiet der Biologie zusammen. Die AG „Geschichte der Pflanzenzüchtung“ der GPZ vereint vorwiegend Pflanzenzüchter und Hochschullehrer dieser Fachrichtung. – Meinel brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass die Zusammenarbeit auch weiterhin gedeihen wird, da die Schnittmengen von Biologie und Pflanzenzüchtung in der Geschichte weit über das aktuelle Generalthema – die Biografik – hinausreichen.Inhalte der Beiträge werden hier nicht ausführlich referiert, da die Veröffentlichung in der GPZ–Reihe „Vorträge für Pflanzenzüchtung“ vorgesehen ist.

Die Vorträge des ersten Tages moderierte Prof. K. Pillen, Lehrstuhl Pflanzenzüchtung Halle. Der einleitende Beitrag zur „Bedeutung der Biografik in der Wissenschaftsgeschichte“ von Peter M. Zigmann (Jena) schuf die Grundlage für eine Einordnung der folgenden Beiträge. Er führte aus, dass professionelle Historiker die Vorzüge der Wissenschaftler-Biographik in den 1990er Jahren neu entdeckt haben. Neuere Forschungen und Arbeiten auf diesem Gebiet befassen sich nicht ausschließlich mit dem Wirken und den Verdiensten der einzelnen Persönlichkeit, sondern in besonderem Maße auch mit der Vernetzung ihres Wirkens unter den wissenschaftlichen, philosophischen, politischen und sozialen Bedingungen ihrer Zeit. Dadurch wird die Biographik zu einer wichtigen Methode, „die Komplexität historischer Begebenheiten … in den Griff zu bekommen und dem interessierten Leser zu vermitteln“.

Prof. W. E. Weber (Halle) sprach über „Theodor Roemer und seine Schule“ und verlas anschließend für den leider verhinderten Dr. K. A. Lein (Hohendorf) dessen Beitrag „Theodor Roemers 444 Tage-Intermezzo in den Westzonen (Juni 1945 bis September 1946)“, dessen Grundlage Tagebuchaufzeichnungen seines Vaters Dr. Alfred Lein (1912 – 1977) sowie Originalbriefe der „Gruppe Roemer“ bilden. – Persönliche „Erinnerungen an Hermann Kuckuck“ ergänzte Prof. T. Tatlioglu (Hannover) durch Darstellung von Kuckucks Wirken (Quelle: „Wandel und Beständigkeit im Leben eines Pflanzenzüchters. Parey Berlin und Hamburg 1988). – Prof. W. Odenbach (Berlin) übergab den Tagungsteilnehmern vorab eine Zusammenstellung wichtiger Daten zum wissenschaftlichen Werdegang von „Walther Hoffmann“ und besprach – an Hand von dessen Publikationen – die wissenschaftlichen Schwerpunkte und deren Kontinuität in Hoffmanns Wirken an den verschiedenen Wirkungsstätten. – Über „Hans Stubbe“ sprach Prof. U. Wobus (Gatersleben), der in dessen „übergroße Fußspuren“ getreten ist, als er selbst die Leitung des Gaterslebener Institutes nach der Wiedervereinigung Deutschlands übernommen hatte. Die öffentliche Abendveranstaltung war der Präsentation zweier Publikationen gewidmet, die zu der Thematik der Tagung Beziehungen stehen. Dr. R. Nürnberg (Berlin) führte ein in Inhalt und die Entstehungsgeschichte des Symposiumsbandes „Elisabeth Schiemann (1881-1972). Vom Aufbruch der Genetik und der Frauen in den Umbrüchen des 20. Jahrhunderts“, der demnächst im Verlag Natur und Text, Basilisken-Presse erscheint. Anschließend sprach die Mitherausgeberin Frau M. Voigt (Berlin) über ihren Beitrag zu diesem Band „Elisabeth Schiemann – Bekenntnis und Widerstand im Nationalsozialismus“. – Den Abschluss der Abendveranstaltung bildeten Ausführungen von Dr. A. Meinel (Heimburg) über das 2008 als Heft 76 in der GPZ-Reihe „Vorträge für Pflanzenzüchtung“ erschienene Buch „Aufbruch in die wissenschaftliche Pflanzenzüchtung. Der Beitrag von Wilhelm Rimpau (1842-1903)“.

Die drei ersten Vorträge am zweiten Tag moderierte Dr. habil. K. Wenig (Strausberg). – Auf der Grundlage seines Meinungsaustausches mit Prof. Schmalz über die wissenschaftlichen Schwerpunkte während dessen Tätigkeit in Halle von 1950 bis 1989 trug Prof. W. E. Weber (Halle) eigene „Erinnerungen an Hellmut Schmalz“ bei. – Dr. M. Kaasch (Halle), Verfasser einer Biografie über K. Mothes, stellte die Forscherpersönlichkeit und das Wirken von Mothes unter den Bedingungen drastischer politischer und institutioneller Veränderungen dar. Er klärte das Zitat im Titel seines Vortrages „Der ‚ungekrönte König aller Wissenschaftler in Halle‘ – Der Biochemiker und Leopoldina-Präsident Kurt Mothes (1900-1983)“ bald auf: es entstammt den Unterlagen des MfS der DDR. – Als Gründungsdirektor und Leiter des „Institutes für Genetik an der Universität Halle“ über zweieinhalb Jahrzehnte stellte Prof. R. Hagemann (Halle) die Bedingungen für die Gründung und den Aufbau dar, nannte die Forschungsschwerpunkte und Ergebnisse bei der Ausbildung von Genetikern.Die Moderation der abschließenden Vorträge übernahm Dr. A. Börner (Gatersleben). Prof. I. Schubert (Gatersleben) sprach über das Jahrzehnte währende kreative Zusammenwirken der beiden Zytologen „Rigomar Rieger und Arnd Michaelis“, ihre wissenschaftlichen Leistungen und deren Weiterentwicklung am Gaterslebener Institut. – Ausführungen zu „Rudolf Mansfeld, ein sytematischer Botaniker und seine Beziehung zur Züchtung“ von Dr. P. Hanelt (Gatersleben), „einem der wenigen Menschen hier, die Rudolf Mansfeld persönlich gekannt haben“ (Mansfeld-Symposium 2001) bildeten den Abschluss.

Auf der Arbeitssitzung der AG „Geschichte der Pflanzenzüchtung“ (GPZ) wurde zunächst über den Stand der Bemühungen zur Archivierung von Dokumenten zur Geschichte der Pflanzenzüchtung informiert und von Prof. Röbbelen vorgeschlagen, Dr. Bulich (Bonn) zu bitten, dieses Anliegen auf der bevorstehenden Jahrestagung des BDP vorzutragen. Seitens der AG 9 wird Dr. Meinel diese Aufgabe weiterhin wahrnehmen. – Der scheidende Vorsitzende Dr. Meinel schlug Herrn Prof. Weber zur Wahl als Vorsitzenden vor. Für diesen Vorschlag votierten die anwesenden AG-Mitglieder ausnahmslos und Herr Prof. Weber nahm die Wahl an. – Die 20. Tagung der AG wird nach Vorabsprachen von Prof. Röbbelen mit Herrn Brauer, Frau Dr. Leckband und Herrn Dr. Frauen am 14. und 15. Mai 2013 bei NPZ in Hohenlieth stattfinden. Dr. Wenig erklärte im Namen der Biologie-Historiker der DGGTB das Interesse zur Teilnahme und Mitwirkung bei der Programmgestaltung. Prof. Röbbelen schlug als Thema „Biologische Grundlagen – züchterischer Nutzen?“ vor.

Prof. Weber dankte im Namen der zahlreichen Teilnehmer den Vortragenden sowie den Mitarbeitern des Institutes für Agrar- und Ernährungswissenschaften für die perfekte Organisation der Tagung und bat um kurzfristige Zusendung der Beiträge für die Publikation in der Reihe „Vorträge für Pflanzenzüchtung“.  

Dr. A Meinel (Heimburg)