Bericht der 8. Göttinger Zuckerrübentagung am 22. September 2008 in Göttingen

Organisation:
Institut für Zuckerrübenforschung (IfZ), Göttingen

 Das Institut für Zuckerrübenforschung (IfZ) an der Georg-August-Universität Göttingen richtete am 4. September 2008 die 8. Göttinger Zuckerrübentagung aus, an der über 300 Wissenschaftler und Vertreter von Züchtungsunternehmen, Wirtschaft, Verbänden und Institutionen der Wertschöpfungskette Zucker teilnahmen.

 Unter dem Schwerpunktthema „Umweltwirkungen im Zuckerrübenanbau“ wurden erstmals Ergebnisse aus einem Verbundprojekt des IfZ mit den Universitäten Halle-Wittenberg und Stuttgart-Hohenheim vorgestellt. In Gesellschaft und Politik werden Umweltwirkungen des Anbaus von Zuckerrüben zum Teil kontrovers diskutiert, ohne dass belastbare Daten für eine sachliche Diskussion vorliegen. Auf Grundlage von Daten einer bundesweit durchgeführten Betriebsbefragung wurden in diesem Projekt Umweltwirkungen, Leistungen, Kosten und Effizienz des Zuckerrübenanbaus national berechnet und Stoff- und Energieflüsse für Zuckerrübenfruchtfolgen ermittelt. Verglichen mit anderen Kulturarten existiert für Zuckerrüben in Deutschland ein sehr effektives Sortenprüfsystem, das eine schnelle Umsetzung neuer Anforderungen und Entwicklungen im Anbau ermöglicht. In ihrem Vortrag machten Dr. Richard Manthey vom Bundessortenamt (Hannover) und Dr. Erwin Ladewig (IfZ) deutlich, dass mit der Vorgabe bestimmter Prüfbedingungen Zuchtziele und damit das Sortenspektrum am Markt sehr gezielt beeinflusst werden können. Am Beispiel der Interpretation der Toleranzreaktion von Sorten auf Rizomaniabefall und der Bewertung der Leistung blattgesunder Sorten erläuterten sie grundlegend die Bedeutung von Beratungsstrategien für die Züchtungsaktivitäten, um auch zukünftig eine nachhaltige Entwicklung des Zuckerrübenanbaus durch den Anbau toleranter Sorten gewährleisten zu können. Die Bedeutung der Züchtung resistenter Sorten zur Bekämpfung von Nematoden in Zuckerrüben betonte auch Dr. Björn Niere vom Julius Kühn-Institut, Institut für Epidemiologie und Pathogendiagnostik (Münster). Der Anbau resistenter Sorten ist die wirkungsvollste Maßnahme zur nachhaltigen Senkung des Nematoden-Besatzes im Feld, da tolerante Sorten zwar kurzfristig höhere Erträge liefern, sich die Nematoden-Besatzdichten aber erhöhen.Neben der Krankheitsresistenz ist bei Zuckerrüben vorrangiges Zuchtziel ein hoher Zuckergehalt. Ergebnisse eines Projektes zum Markgehalt von Zuckerrüben, das Dr. Christine Kenter (IfZ) vorstellte, zeigten, dass sich durch gezielte Selektion auf höheren Zuckergehalt und höhere Zuckermasse (Zuckerertrag) über die letzten Jahrzehnte die gesamte Inhaltsstoffzusammensetzung der Rübe geändert und der Markgehalt der Zuckerrüben abgenommen hat. Der Markgehalt ist dabei ein Maß für die Menge an Zuckerrübenschnitzeln, die als Futtermittel Verwendung finden.Mit der Göttinger Zuckerrübentagung bietet das IfZ ein Forum des Wissenstransfers, um auch zukünftig eine rentable, umweltschonende und von den Verbrauchern akzeptierte Produktion von Zucker aus Zuckerrüben zu gewährleisten.

Prof. Dr. B. Märländer, Göttingen