Bericht des Treffens vom 2./3. September 2008 in Ellerhoop Vortragstagung mit Demonstration von Versuchen des Gartenbauzentrums

– 46 Teilnehmer –

Organisation:
Prof. Dr. Th. Debener, Hannover, und Dr. M. Mehring-Lemper, Hann. Münden

Das diesjährige Treffen fand im Gartenbauzentrum der Landwirtschaftskammer Schleswig Holstein in Ellerhoop statt. Dieses Zentrum dient neben der Beratung von Praxisbetrieben auch der Durchführung von anwendungsbezogenen Versuchen im Bereich Baumschule und Zierpflanzenbau sowie als Ausbildungsstätte für die überbetriebliche Ausbildung im Gartenbau und Garten- und Landschaftsbau. Die Tagung begann daher am Nachmittag des 2. Sept. mit einer Führung durch das Gartenbauzentrum und einer kurzen Demonstration laufender Versuche. Dazu zählen u.a. Düngungsversuche an Baumschulgehölzen, Sortenversuche zur Eignung von Hortensien im Freilandanbau und die Eignung von Topfrosen zur Weiterkultur im Freiland.

Das diesjährige Generalthema des Arbeitstreffens lautete „Phänotypische und genetische Stabilität von Zierpflanzensorten“ und geht auf Vorschläge aus dem Kreis der AG-Mitglieder zurück. Unter diesem Oberthema wurde die Problematik der Sortenstabilität am ersten Tag in vier Vorträgen aus Sicht der Praxis, des Sortenamtes und der Forschung behandelt.

Frau Dr. K. Zerr, Züchterin der Firma Syngenta in Hillscheid, beschrieb in ihrem Vortrag zur „Sortenstabilität bei Poinsettia aus züchterischer Sicht“ die besondere Problematik bei der Züchtung von Weihnachtssternen, die u.a. darin begründet liegt, dass das Endprodukt seinen Phänotyp nur durch Befall mit mlo´s (mycoplasma like organisms) erhält und dass viele Varianten in der Blatt- bzw. Hochblattfärbung durch Chimärismus hervorgerufen werden.
Im zweiten Vortrag stellte Herr Dr. B. Spellerberg vom Bundessortenamt die Kriterien für Sortenstabilität im Rahmen der Sortenprüfung dar und präsentierte Beispiele für kritische bzw. unkritische Formen von Variabilität in zur Anmeldung eingereichten Sortenmustern.

Die nächsten zwei Vorträge behandelten das Problem der Stabilität aus wissenschaftlicher Sicht. Frau Prof. T. Winkelmann von der Leibniz Universität Hannover stellte den Stand des Wissens über das Ausmaß somaklonaler Variabilität von Pflanzen nach in-vitro-Vermehrung sowie möglicher Ursachen dar. Im letzten Vortrag von Herrn Prof. Th. Debener ebenfalls von der Leibniz Universität Hannover wurden sowohl neuere Theorien über die Ursachen genetischer Variabilität nach klonaler Vermehrung (neben genetischen auch sogenannte „epigenetische“ Prozesse) vor und beschrieb gängige Methoden zum Nachweis von Variabilität sowohl auf der genetischen als auch auf der epigenetischen Ebene. Daran knüpfte sich eine allgemeine Diskussion an über den Sinn der bestehenden Regeln im Zulassungsprozess sowie die Auswirkungen neuer Nachweistechniken für genetische Variabilität auf die Sortenunterscheidung.

Mit einem gemütlichen Beisammensein in der Cafeteria des Gartenbauzentrums klang der erste Tag aus.
Am nächsten Vormittag wurden in vier freien Vorträgen Ergebnisse aus laufenden Forschungsvorhaben an Zierpflanzen vorgestellt:

Herr Thomas Borchert aus dem IGZ in Erfurt knüpfte thematisch an das Problem der Variabilität von Sorten an, indem er Arbeiten zur Untersuchung molekularer Marker in der Gattung Calluna und deren Anwendung zur Festlegung von Grenzen zwischen nicht abgeleiteten und abgeleiteten Sorten beschrieb.
Frau Ann-Katrin Lühmann, Leibniz Universität Hannover, berichtete über die Entwicklung molekularer Marker für den Sternrußtau an Rosen und ihre Ergebnisse zur Untersuchung der Populationsstruktur in verschieden alten und verschieden diversen Rosenpopulationen sowie den Konsequenzen, die sich daraus für die Resistenzzüchtung bei Rosen ergeben.

Anschließend berichtete Frau Antje Doil von der FH Weihenstephan über Ergebnisse zur in-vitro-Kultur von Hydrangea und der Nutzung in einem anwendungsorientierten Projekt zur Unterstützung der Sortenzüchtung.
Im letzten Vortrag von Herrn Noroola Amahdi von der Leibniz Universität Hannover wurden Arbeiten zum Ethyhlenstoffwechsel von Topfrosen vor allem in Bezug auf die Bedeutung für die Haltbarkeit der Blüten vorgestellt und diskutiert.

An die Vorträge schloss sich wie in jedem Jahr die Geschäftssitzung der AG Zierpflanzen an. Hier wurde als mögliches Generalthema für die nächste Vortragsveranstaltung die Erzeugung und Nutzung transgener Zierpflanzen vorläufig festgelegt. Da aber im Jahre 2009 vom 31. August bis 4. September in den Niederlanden die Tagung der EUCARPIA-Sektion Zierpflanzen stattfindet, wurde beschlossen, die nächste Tagung der GPZ-AG 18 erst 2010 stattfinden zu lassen. Der Tagungsort muss zu gegebener Zeit noch bestimmt werden.

(Th. Debener, Hannover, und M. Mehring-Lemper, Hann.Münden)