Gemeinsame Sommertagung der „Arbeitsgemeinschaft für Krankheitsbekämpfung und Resistenzzüchtung bei Getreide, Hülsenfrüchten und Raps“, der GFP-Abteilung Getreide und der GPZ-AG Getreide 14./15. Juni 2004 in Wetze und Einbeck

– 100 Teilnehmer –

Leitung:
Prof. W. Friedt, Gießen

Anlass für das gemeinsame Treffen der drei Arbeitsgemeinschaften in der Zuchtstation der Lochow-Petkus GmbH in Wetze war die Tatsache, dass Dr. Klaus Brunckhorst nach über 30jähriger Leitung der Weizenzüchtung in diesem Hause am Jahresende ausscheiden wird. Da wollten sich alle Kollegen und Weggefährten von ihm noch einmal seinen Zuchtgarten zeigen lassen, aus dem so viele wichtige und bekannte Winterweizensorten hervorgingen, so u.a. Greif (1989), Bussard (1990), Dekan (1999), Certo (1999), Biscay (2000), Cubus (2002) und Buteo (2004).
Den Hauptteil der Veranstaltung mit einem besonders attraktiven und vielgestaltigen Programm hatte die AG Krankheitsbekämpfung („die AG mit dem langen Namen“, Dr. G. Bartels, BBA Braunschweig) organisiert. Gastgeber waren die Lochow-Petkus GmbH und die KWS SAAT AG. Treffpunkt (und Parkplatz für die zahlreichen PKWs) war Wetze b. Northeim, von wo am Montag früh 2 Busse (von der BASF finanziert) die Teilnehmer aufnahmen.

Im Biotechnologie-Forum der KWS in Einbeck begrüßte der Vorsitzende der AG Krankheitsbekämpfung, Herrn Prof. Backhaus, Präsident der BBA, die Teilnehmer und eröffnete die Sommertagung, die mit einer kurzen Vorstellung des weltweit agierenden Unternehmens KWS SAAT AG durch Dr. Folttmann, der Lochow-Petkus GmbH durch Dr. Brunckhorst und des Forschungsinstituts PLANTA, einer 100%igen KWS-Tochter, durch Frau Dr. Neddermann begann. Danach führte Dr. Stahl in molekularbiologische Arbeiten der PLANTA zur „Entwicklung von Pilzresistenz bei Kulturpflanzen“ ein und berichtete speziell über ein EURECA-Projekt zur Verbesserung der Fusarium-Resistenz bei Weizen mittels einer erweiterten hypersensitiven (durch programmierten Zelltod) und mit pathogenspezifischem Promotor induzierbaren Wirtsreaktion. Technische Details solcher aufwändigen und langfristigen Forschungsvorhaben wurden den Teilnehmern in kleinen Gruppen bei einem Rundgang durch das Biotechnikum erläutert. Dem schloss sich an: eine Präsentation des breiten Aufgabenkatalogs der Abteilung Phytopathologie der KWS durch Dr. Holtschulte insbesondere zu Mais und Zuckerrübe, eine Besichtigung der neuen, beeindruckenden Saatgut-Aufbereitungsanlage der KWS und eine Feldfahrt zu Versuchen der KWS zur Resistenzzüchtung bei Raps (Dr. Gertz).

Nach dem Mittagessen auf Einladung der KWS im Forum des Biotechnikums führte die Weiterfahrt mit den Bussen auf dem Wege zur Lochow-Zuchtstation zu 6 Feldversuchsstandorten im Umkreis von Wetze, an denen die Arbeiten der Lochow-Petkus insbesondere zur Resistenzzüchtung besichtigt und intensiv erörtert wurden: an Wintergerste die Nutzung der DH-Technik (Doppelhaploide), die Selektion von Zuchtmaterial gegen bodenbürtige Viren auf einem permanent verseuchten Ackerstück (‚dirty plot’) und Resistenzzüchtung gegen Blattkrankheiten, insbesondere Ramularia und andere Erreger von Blattflecken; an Winterweizen Resistenzzüchtung gegen Fusarien (Problem Mykotoxine; Inokulation mittels Maisstoppeln bzw. Sporen-Sprühapplikation; klassische Nutzung von adaptierten Resistenzeltern einerseits und Resistenzeinbau aus Wildmaterial mittels molekularer Marker andererseits) und gegen die zahlreichen Blattkrankheiten des Weizens. Im letzteren Zusammenhang demonstrierte Dr. Brunckhorst sein Zuchtschema bei Winterweizen, eine effiziente Kombination von früher Pedigree-Selektion mit wirksamer mehrortiger Leistungsprüfung der besten Nachkommenschaften ab F4. Den Abschluß bildete eine Besichtigung interessanter Freilandversuche der BASF zur Terminierung des Fungizids Cantus in Raps, neuer Fungizide für den Blatt- und Ährenbereich von Winterweizen und des gezielten Einsatzes von Fungiziden und Wachstumsreglern in Wintergerste, die speziell für diese Veranstaltung vor den Toren von Wetze angelegt worden waren.

Am Eingang zum Blockhaus in Wetze begrüßte Dr. von Broock die große Besucherschar mit einem Krug kühlen Einbecker Bieres. Im Namen der Arbeitsgemeinschaft „mit dem langen Namen“ hielt Dr. G. Bartels eine Laudatio auf Dr. Brunckhorst, der seit über 30 Jahren Mitglied der AG und ihres Lenkungsausschusses ist und hier die Arbeit immer wieder durch Anregung und Aktivität mitgestaltete. Dieser dankte mit wenigen Worten und eröffnete das Büfett, zu dem alle Tagungsteilnehmer von der Lochow-Petkus eingeladen waren.

Das Programm des folgenden Vormittags brachte zwei weitere Höhepunkte: Die Besichtigung der Feldversuche auf dem Versuchsfeld Höckelheim der Landwirtschaftskammer Hannover – Bezirksstelle Northeim, unter der Führung von Dr. Manfred Bartels (Leiter der Bezirksstelle, Arbeitsgebiet Phytopathologie und Pflanzenschutz) und Dr. Karsten Möller (Arbeitsgebiet Pflanzenbau und Pflanzenschutz) mit der Demonstration der Anbausysteme Frühsaatweizen, Stoppelweizen-Mulchsaat und Spätsaat/Wechselweizen, der Landesssortenversuche Wintergerste und Winterweizen sowie der praktischen Konsequenz verschiedener Fungizid-Strategien in Winterweizen – praxisnahe Versuche zum integrierten Pflanzenschutz, deren Ergebnisse den Landwirten in der Region kompetente Hilfestellung bei der Lösung aktueller Tagesprobleme zu vermitteln vermögen. Für das zweite ‚highlight’ führte die Busfahrt weiter nach Göttingen, wo Prof. von Tiedemann, Institut für Pflanzenpathologie und Pflanzenschutz der Universität, mit seinen engagierten Mitarbeitern Untersuchungen zur Weiterentwicklung des Sclero-Prognosesystems für eine effektive Bekämpfung von Sclerotinia-Befall im Winterraps sowie Versuche zur Epidemiologie und Kontrolle des Blattflecken-Komplexes der Wintergerste (Ramularia, PLS) vorstellte.

Nach Rückkehr nach Wetze schloss sich hier im Blockhaus nahtlos das Nachmittagsprogramm an, zu dem GFP und GPZ die Getreidezüchter eingeladen hatten. Prof. Friedt berichtete über die mühsamen Fortschritte, das bereits vor mehr als 2 Jahren konzipierte Konzept der GFP zur Weizenforschung in Deutschland (s. Vortr. Pflanzenzüchtg. 53, 2002) zu realisieren. Es folgten drei Berichte über Untersuchungen zu Getreidevirosen, Frau Dr. Habekuß: Insektenübertragene (BYDV, WDV) und bodenbürtige (BaMMV, BaYMV) Viren, Dr. Huth: Bodenbürtige Weizen- und Roggen-infizierende Viren und Frau Dr. Kastirr: Über die Entwicklung von Methoden zur Selektion von Getreide auf Resistenz gegen bodenbürtige Viren. Aus der Landessaatzuchtanstalt in Hohenheim berichtete Dr. Miedaner über Resistenzzüchtung bei Roggen gegen Braunrost, Ährenfusariosen und Mutterkorn, aus dem Institut für Pflanzenzüchtung der Universität Gießen Frau Dr. Wagner über die Identifizierung und Kartierung von Resistenz-assoziierten ESTs der Gerste gegen Rhynchosporium secalis. Ein kurzer Bericht von Herrn Harrer über das nationale Evaluierungsprogramm für pflanzengenetische Ressourcen (EVA) beschloß die Sitzung.

Als nächste Termine wurden bekannt gegeben:
3./4. Nov. 2004:    GFP-Jahrestagung in Bonn
12./14. Juni 2005: Sommertagung der AG Krankheitsbekämpfung in Posen/Polen

(G. Röbbelen, Göttingen)