AG-Leiter

Dr. Bernd Truberg, Groß Lüsewitz

Den Termin des nächsten AG-Treffens finden Sie im GPZ-Terminkalender!
Dort finden Sie auch die aktuellen Programme der Veranstaltungen sowie Informationen zur Anreise, etc.

Kommende Veranstaltungen der AG

Keine Veranstaltungen
Dr. Bernd Truberg

Ziel der Arbeitsgruppe

Die Arbeitsgemeinschaft bietet sowohl wissenschaftlich als auch praktisch arbeitenden Personen aus dem öffentlichen und dem privatwirtschaftlichen Bereich eine Plattform zum Austausch über neue Entwicklungen auf dem Gebiet der Kartoffelzüchtung und Pflanzgutproduktion.

Routinemäßig finden in jedem Jahr eine Sommertagung und eine Wintertagung statt. Geplant und organisiert werden die Veranstaltungen vom Ausschuss der Arbeitsgemeinschaft. Die Sommertagung hat typischerweise den Charakter einer zweitägigen Exkursion. Es werden hierbei Einrichtungen mit Bezug zur Kartoffelwirtschaft im In- und Ausland besucht. Die Wintertagung wird regelmäßig als Vortragsveranstaltung durchgeführt. Eingeladene Vorträge in deutscher und englischer Sprache zu Themen der Kartoffelzüchtung und Pflanzgutproduktion von internationalen Fachleuten bilden an zwei aufeinanderfolgenden Tagen das Programm.

Die Arbeitsgemeinschaft ist offen für interessierte Personen und bestrebt eine wissenschaftlich-technische Ausrichtung zu erhalten.

The working group offers both scientifically and practically working persons from the public and private sector a platform for exchange on new developments in the field of potato breeding and seedling production.

Routinely, a summer meeting and a winter meeting are held each year. The events are planned and organized by the committee of the working group. The summer meeting typically has the character of a two-day excursion. Institutions related to the potato industry in Germany and abroad are visited. The winter meeting is regularly held as a lecture event. Invited lectures in German and English on topics of potato breeding and seedling production by international experts form the program on two consecutive days.

The working group is open to interested persons and strives to maintain a scientific and technical orientation.

Neuigkeiten aus der AG

  • Bericht der Wintertagung der Arbeitsgemeinschaft für Kartoffelzüchtung und Pflanzguterzeugung 19./20.November 2008 in Göttingen

    – ~80 Teilnehmer –

    Organisation:
    Hans-Reinhard Hofferbert, Ebstorf

    Über 80 Teilnehmer konnte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Kartoffelzüchtung und Pflanzguterzeugung in der GPZ, Herr Dr. Hofferbert, am 19. und 20. November 2008 zur Wintertagung in Göttingen begrüßen. Im ersten Vortrag berichtete Herr Andreas Meyer (Spiess Urania) von einem ansteigenden „gefühlten Befallsdruck“ bei Rhizoctonia solani. In einer detaillierten Übersicht wurden Einzelmaßnahmen der Pflanzgutbeizung gegenüber verschiedenen Pathogenen angesprochen. Es wurde dabei deutlich herausgestellt, dass der Pflanzenschutz nicht die Reparierkolonne des Ackerbaus ist.

    Über den Einsatz der „Kombinierten Legetechnik bei Kartoffeln“ berichtete Herr Dr. Michael Klindtworth (Grimme Landmaschinenfabrik). Neben grundlegenden Hinweisen zu den Anforderungen beim Kartoffelpflanzen wurden die Vorteile der kombinierten Legetechnik vorgestellt. Die Knollen liegen exakt in der Dammmitte, es erfolgt kein Verschieben der Knollen beim Häufeln. Die arbeitswirtschaftlichen Vorteile dieses Systems bei voller Maschinenauslastung waren beeindruckend. Eine modulare Anordnung des Maschinensystems bietet Vorteile bei produktionstechnischen Risiken. Der Anbauer muss allerdings warten können, bis der Boden zu bearbeiten ist. Disziplin und pflanzenbaulicher Sachverstand sind unbedingt erforderlich.

    Frau Michaela Schlathölter (P.H. Petersen Saatzucht) eröffnete mittels „Biofumigation“ ein neues Feld zur Nutzung von Phyto-Chemikalien bei der Bodenentseuchung. Durch die gezielte Bodeneinarbeitung von Zwischenfrüchten mit hohen Glucosinolatgehalten wird deren mikrobielle Umsetzung zu Isothiocyanat gefördert und damit eine Bekämpfung bodenbürtiger Pilze im Gemüse- und Zuckerrübenbau erreicht. Untersuchungen zur Verringerung des saprophytischen Bodenpotenzials bei Kartoffeln sind noch nicht abgeschlossen. Wesentlich bei der Bewertung der Biofumigation ist aber, dass das Resistenzverhalten der Zwischenfrüchte nicht aus den Augen verloren wird. Hier hat besonders der Ölrettich große Vorteile. Beide Kriterien sind wichtig und müssen züchterisch kombiniert und in der Landwirtschaft genutzt werden.

    Frau Uta Schnock (Bundessortenamt) nahm Stellung zur Zulassung von Erhaltungssorten. Fragen der Biodiversität und der Erhaltung pflanzengenetischer Ressourcen haben in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Im Rahmen der Gemeinschaftsvorschriften wurden mit der “Richtlinie 2008/62/EG der Kommission vom 20. Juli 2008 über die Ausnahmeregelungen für die Zulassung von Landsorten und anderen Sorten, die an die natürlichen örtlichen und regionalen Gegebenheiten angepasst und von genetischer Erosion bedroht sind, sowie für das Inverkehrbringen von Saatgut bzw. Pflanzkartoffeln dieser Sorten” nunmehr besondere Bedingungen festgelegt, um diesen Fragen Rechnung zu tragen. Die Richtlinien müssen bis zum 30. Juni 2009 in nationales Recht umgesetzt werden.
    Herr Peter Loosen (Bund für Lebensmittelrecht/-kunde) stellte die sog. „Health-Claims-Verordnung“ (EG Nr. 1924/2006) zu nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben von Lebensmitteln vor. Sein Credo: „Im Moment kann man noch davon reden, dass z. B. Kartoffeln gesundheitsfördernd sind. In Zukunft wird man nur noch damit werben dürfen, wenn dies in bestimmten Listen steht.“ Dies bedeutet, dass die Zulassung von Angaben (Werbung!) von bestimmten Risikoreduzierungspotenzialen und nährstoffbezogenen Angaben nur dann noch erlaubt sein wird, wenn diese in den Anhängen der EFSA-Listen aufgeführt sind. Alle Verbände sind aufgerufen, diese Angaben auf Vollständigkeit zu überprüfen.

    Einen Überblick über ein Monitoring der LWK Niedersachsen zum Auftreten von freilebenden Kartoffelnematoden gab Herr Dr. Stefan Krüssel. Aufgrund des zum Teil massiven Auftretens von Pratylenchus- und Trichodorus Arten in augenscheinlichen Befallsnestern wird dieses Monitoring ausgeweitet. Zur Bekämpfung der zystenbildenden Nematoden werden Sorten mit dem höchsten verfügbaren Resistenzgrad empfohlen. Die enge genetische Vernetzung von Pa2 und Pa3 erlaubt keine differenzierte Resistenzbewertung bei resistenten Sorten. Anhand der mehrjährigen Versuchsdaten in Weser-Ems liegen Resistenz- und Toleranzprotokolle bei unterschiedlichen Bodenverseuchungen vor. Neue Sortenzulassungen im Stärkebereich erwiesen sich dabei als hoch nematodenresistent und –tolerant. Die landwirtschaftliche Praxis benötigt dringend ähnliche Entwicklungen im Bereich der Speise- und Veredelungssorten.

    Über einen Ringversuch der DPG-Arbeitsgemeinschaft „Integrierter Pflanzenschutz“ zur Ertragsrelevanz bei Alternaria ssp. berichtete Herr Jürgen Leiminger (LfL Weihenstephan). Ertragsdepressionen bei Alternariabefall sind durch eine kürzere Assimilationsdauer bedingt. Versuche zeigten, dass bei den früh abreifenden Sorten nur geringe Ertragseffekte zu beobachten waren. In den mittelspäten Stärkeversuchen waren Ertragsverluste bis zu 30% zu verzeichnen. Dieses Resistenzpotenzial der Sorten sollte für die Bekämpfung von Alternaria genutzt werden.
    Herr Dr. Huub Schepers (Wageningen University, Applied Plant Research PPO) berichtete umfassend zur möglichen Aggressivitätsveränderung des Erregers Phytophthora infestans in Deutschland. Seine Ausführungen konzentrierten sich auf das Vorhandensein der beiden Paarungstypen A1 und A2, der Oosporenbildung und der damit verbundenen meiotischen Rekombination zu aggressiven neuen Phytophthora Herkünften. Mittels einer eindrucksvollen Datenbasis wurden der Einfluss der Fruchtfolge, der Bodenart, der Niederschlagsmengen, der Paarungstypen und der Spritzintervalle auf die Aggressivität von verschiedenen Isolaten untersucht. Deutliche Diskussion löste dabei die Äußerung aus, dass enge Spritzintervalle und ein früher Spritztermin eine Bildung von Oosporen deutlich vermindern können. Es muss unbedingt ein exzessiver Befall im Bestand vermieden werden. Die Fungizide sollen dann eingesetzt werden, wenn ihre produktspezifischen Eigenschaften am Besten genutzt werden können.

    In einem zweiten Referat zu Phytophthora infestans („er ist kleverer, als wir uns das vorstellen können“) beschieb Prof. Dr. Ulrich Gisi (Syngenta Crop Protection) populationsdynamische Verschiebung bei diesem Oomyceten. So verschiebt sich die Ridomil-Resistenz bei Pi??? während der Vegetation zu einer erhöhten Resistenz, auch ohne die Anwendung von Ridomil. Die Aggressivität des Pilzes steigt innerhalb bestimmter Temperaturbereiche (12-16 Grad) mit jedem Grad um den Faktor 2. Es konnten dabei keine Unterschiede in der Aggressivität zwischen A1- oder A2-Typen festgestellt werden. Das Optimum der Aggressivität liegt zwischen 13-20 Grad. Die Frequenz resistenter Isolate ist in vielen Regionen Europas immer gleich hoch.

    In molekularen Untersuchungen wurden 5 Phytophthora-Cluster erarbeitet: 1 (primär A1, primär Ridomil resistent), 2 (primär A2, primär Ridomil resistent), ¾ (primär A1, primär Ridomil anfällig), 5 (primär A1, sensitiv).  Aus den Clustern 2 und 5 sind in den letzten 10 Jahren zahlreiche neue Stämme isoliert worden. Resümee: Die Genotypenvielfalt hat zugenommen. Einige Genotypen dominieren die Populationen. Es sind neue Populationen gefunden worden. Diese entstehen auch ohne äußeren Selektionsdruck. Dies könnte auf Importe von Tomaten zurückzuführen sein. Möglich ist aber auch eine Selektion durch Sorten, Klima und Fungizide.
    „Potatoes for a changing world“ war das Motto der Dreijahrestagung der EAPR in Brasoc, Rumänien. Herr Dr. Holger Junghans (NORIKA) stellte die züchterrelevanten Vorträge vor. Vorträge zu Phytoplasmen und Zebra Chips machen auf die in kontinentalen Klimaten auftretenden phytosanitären Probleme aufmerksam. Mittels Protoplastenfusion mit Etuberosum wurden PLRV Resistenzen kombiniert. Verschiedene Arbeiten zur Genexpression unter abiotischem Stress wurden vorgestellt.

    Vor dem Hintergrund der Qualitätsbeeinflussung durch Phytoplasma stellte Frau Dr. Kerstin Lindner (Julius Kühn Institut) Arbeiten zum Auftreten von Stolbur vor. Diese Phytoplasma hat EPPO Status 2. Die Bundesrepublik gilt als befallsfrei. Es ist ein obligat biothropher, bakterienähnlicher Organismus ohne Zellwand. Übertragen wird er durch Zikaden. Winterwirte sind Brennnesseln, Ackerwinden und Nachschattengewächse. Erste Untersuchungen zum Resistenzverhalten von Kartoffelsorten in Rumänien wurden gemacht. Bei Befall werden erhöhte Gehalte an Saccharose und Gummiknollen festgestellt. Befallene Knollen weisen eine typische Zebrafleckigkeit der Chips auf.
    Über Erfahrungen im Einsatz von Kartoffelsorten mit Kaltlagerungseignung berichtete Herr Dr. Michael Holtschulze von Lorenz Bahlsen Snack World. Die Anforderungen der Chipsindustrie an die Chipssorten lassen sich aus einem Zusammenwirken verschiedenster Eigenschaften beschreiben: Ertrag, Stärkegehalt, Knollenform, Knollengröße, Krankheiten, Mängel, Sensorik, Backfarbe und Lagereignung. Die Anforderungen an Kaltlagerungssorten sind in Bezug auf den Gehalt an reduzierenden Zucker besonders hoch. Mit Kaltlagerungssorten im Sinne des Referenten sind bereits Sorten zu verstehen, deren Dauerlagerungstemperatur unterhalb von 8,5 Grad liegt. Die Definition „4-Grad Sorte“ beschreibt dabei die absolut niedrigste Lagertemperatur, der die Kartoffel ausgesetzt sein darf und entspricht somit nicht der Dauerlagerungstemperatur. Durch die Acrylamidproblematik wird die Verarbeitung der Kaltlagerungssorten zunehmend wichtiger, da durch die geeignete Sortenwahl wichtige Qualitätsreserven benutzt werden können. Es wurde deutlich, dass die Kaltlagerungssorten der 1. Generation noch zu große pflanzenbauliche Probleme hatten, um von der verarbeitenden Industrie akzeptiert zu werden. Die Kaltlagerungssorten der 2. Generation zeigen verbesserte agronomische Werte. Daten der Wertprüfung dienen der verarbeitenden Industrie als Vorfilter für die Sortenauswahl der eigenen Versuche. Wichtig sind aber auch hier die detaillierten Sortenempfehlungen, um die Sorten in die Praxis einzuführen. Derzeitig wird ein starker Bedarf an Kaltlagerungssorten seitens der Chipsindustrie gesehen.

     (Hans-Reinhard Hofferbert, Ebstorf)

  • Bericht der Sommertagung der AG Kartoffelzüchtung und Pflanzguterzeugung 2./3. Juli 2008 im Raum Köln

    – 18 Teilnehmer –

    Organisation und Leitung:
    Dr. H.-R. Hofferbert, Ebstorf

     Die diesjährige Sommertagung der AG fand eine Woche vor der EAPR-Tagung in Klausenburg/Rumänien statt. Deshalb war eine geringere Teilnehmerzahl erwartet und bewusst in Kauf genommen worden. Denn der Besuch des Max-Planck-Instituts für Züchtungsforschung (MPIZ) in Köln war nach dem Weggang von Prof. Francesco Salamini bereits überfällig und sollte insbesondere auch dem vertieften Gedankenaustausch mit seinem Nachfolger, Prof. Maarten Koornneef, dienen. In dieser Abteilung „Plant Breeding and Genetics“ betreibt Frau Dr. habil. Christiane Gebhardt ihre erstmals 1985 von Prof. Salamini initiierten und inzwischen international anerkannten molekulargenetischen Forschungsarbeiten an der Kartoffel und leitet diese mittlerweile einzige in dieser Richtung spezialisierte Arbeitsgruppe in Deutschland.

    Nach einer kurzen Begrüßung der Teilnehmer durch Frau Gebhardt stellte Prof. Koornneef (in deutscher Sprache!) die 4 Abteilungen des Gesamtinstituts vor. In diesen widmen sich rd. 350 Mitarbeiter, einschließlich zahlreicher internationaler Gastwissenschaftler, der Untersuchung grundlegender Prozesse zur Verbesserung der Pflanzenzüchtung. Schwerpunkte sind dabei u.a. die Genetik der Blütenbildung, der Samenruhe und der Resistenz gegen Krankheiten und die genetische Analyse komplexerer, leistungsrelevanter Kulturpflanzenmerkmale, wie z.B. Pflanzenarchitektur oder Samenertrag. Viele dieser Fragestellungen wurden in den vergangenen Jahren zunächst an der Modellpflanze Arabidopsis thaliana bearbeitet. Aber für die Zukunft, so unterstreicht Prof. Koornneef in seinem Vortrag mehrfach, wird zunehmend im Mittelpunkt der Institutsarbeiten der Transfer des am Modell gesammelten Wissens auf Kulturpflanzen stehen.

    In der eigenen Abteilung hat Prof. Koorneef die Arbeiten unter die Überschrift „Genetik von natürlicher Variation“ gestellt und betreibt sie mit Arabidopsis, Kartoffel, Tomate und Gerste insbesondere hinsichtlich Samenruhe (Soppe), Ertrag (Reymand), Pflanzenarchitektur (Theres), Qualität und Resistenz (Gebhardt) und in einer AG Molekulare Genetik (de Meaux). Kurz erläuterte er am Beispiel der Eintriebigkeit (monoculm), wie die genomischen Syntheniebeziehungen von Tomate, A. thaliana und Reis zur genetischen Merkmalsanalyse beitragen können. Er deutet an, wie die gewaltige Variation der Gersten-Wildformen, die schon Prof. Salamini in Köln bearbeitete, für die züchterische Nutzung untersucht und vorbereitet wird.

    Die nächste Rednerin, Frau Dr. Maria von Korff, ist in der Abteilung „Entwicklungsgenetik“ von Prof. Coupland dabei, eine Arbeitsgruppe zur Untersuchung des Mechanismus der Anpassung von Gerste an Trockenstress aufzubauen. Sie war zuvor im ICARDA in Syrien tätig und berichtete von ihren dortigen Arbeiten zur direkten Selektion von 158 Gerstenlinien (RIL-Population) auf vier Trockenstress-Standorten des Fruchtbaren Halbmonds mittels QTL-Analyse.
    In der Arbeitsgruppe von Frau Gebhardt entwickelt Dr. Claude Urbany im Rahmen des vom BMFT geförderten TASK-Projekts „Diagnostische Marker für die Auslese auf Schwarzfleckigkeit der Kartoffel“. Beteiligt am Zustandekommen des Symptoms ist eine im Amyloplasten lokaliserte Polyphenoloxidase, zu deren Ermittlung ein einfacher Farbtest mit kleinen Knollenscheibchen und weitere Assoziationsanalysen des Proteins auf 2D-Elektrophoresegelen dienen. Die zugehörigen Feldversuche mit 80 Sorten und 20 Zuchtklonen zur Erfassung der Umwelteinflüsse auf das Blaufleckigkeitsverhalten werden von 7 deutschen Kartoffelzüchtern an ihren jeweiligen Standorten durchgeführt.
    „What are the genetic factors of plant growth?“ ist die Frage, der in Koorneefs Abteilung der Franzose Dr. Mathen Reymand mit A. thaliana nachgeht. Untersucht werden anhand von 534 isogenic recombinant F4-lines Merkmale wie Rosettengröße, Blattfarbe oder Wurzelausbildung in Abhängigkeit von der Temperatur. Insbesondere zielt der QTL-Nachweis auf eine Kartierung von epistatischen Interaktionen.

    Frau Dr. Renate Lührs stellte die Aktivitäten der Firma Phytowelt vor. Dieses 1997 als Ableger des MPIZ gegründete Unternehmen (derzeit 30 Mitarbeiter) hat sich das „Phytomining“ zur Aufgabe gemacht, d.h. die Bearbeitung von wertvollen Pflanzeninhaltsstoffen, wie Phytopharmaka oder speziellen Enzymen, für eine anschließende Nutzung. Dazu dienen die verschiedensten Objekte, wie die Minze, Futter- oder Zierpflanzen, auch Pappeln oder Wildkartoffeln. Für die Schaffung neuer genetischer Variabilität steht methodisch die somatische Hybridisierung mittels Elektrofusion von Protoplasten im Mittelpunkt der Arbeiten. Vor allem geht es um Protoplastentechniken für Wildarten, Methoden zur asymmetrischen Fusion und die Entwicklung von molekularen Markern für die Identifizierung der Hybriden.

    Abschließend gab Frau Gebhardt einen Überblick über „22 Jahre Zusammenarbeit des MPIZ mit Kartoffelzüchtern“. 1985 begann Prof. Salamini in Köln mit der Entwicklung von Genkarten für die Kartoffel und gewann dafür in Frau Gebhardt einen interessierten postdoc. Nach Beendigung der durchaus erfolgreichen prebreeding-Aktivitäten an der Kartoffel von Rudorf, Ross und Mitarbeitern und Schließung der MPIZ-Zweigstelle in Scharnhorst 1996 konzentrierte sich die Kartoffelforschung in Köln vollständig auf Arbeiten an molekularen Karten für Resistenzgene, Analysen der Biodiversität und der Genomstruktur knollenbildender Solanum-Arten. Eckpunkte der Arbeiten waren:

    – die Entwicklung diagnostischer Marker zur Kartierung des H1-Gens für Resistenz gegen Globodera rostochiensis

    – die Analyse von Feldresistenz gegen Phytophthora in Kreuzungsnachkommenschaften diploider Kartoffeln in Kooperation mit französischen Züchtern

    – der Nachweis von QTLs für Stärkegehalt, Knollenertrag, Reife, reduzierende Zucker u.a. auf der 4n-Stufe und die Kartierung erster Kandidatengene

    – die Klonierung des R1-Gens für Phytophthora-Resistenz sowie tagging von QTLs für eine reifekorrigierte Resistenz mit ersten Versuchen zur markergestützten Selektion (MAS)

    – ein Vergleich von zwei Möglichkeiten der MAS auf quantitative Phytophthora-Resistenz mittels (a) einer experimentellen Population für die Koppelungsanalyse in F1 bzw. (b) einer natürlichen Population für die Assoziationsanalyse

    In den letzten Jahren intensivierte sich die Zusammenarbeit des MPIZ mit den deutschen Kartoffelzüchtern zusehends, wobei letztere das Material bereitstellten und in umfangreichen Feldversuchen die Daten für die Phänotypisierung erarbeiteten, während das MPIZ die molekulare Genotypisierung übernahm:

    – Im GABI-Programm wurden unter Verwendung vorliegender QTL-Analysenergebnisse zum Zucker/Stärke-Stoffwechsel und entsprechender Genkarten 150 molekulare Marker auf Assoziation mit Stärkemerkmalen, Knollen- und Stärkeertrag sowie Chipsqualität untersucht.

    – Nachfolgend wurden in GABI molekulare Marker für die Resistenz aus S. vernii gegen Globodera pallida sowie die reifekorrigierte Phytophthora-Resistenz entwickelt und zur züchterischen Nutzung vorbereitet.

    – Im Forschungsprogramm „BioChancePlus“ wird das „Kompetenznetzwerk Synchytrium“ (KOSY) gefördert. Die beteiligten Züchterhäuser haben spaltende Populationen zur Verfügung gestellt, welche beim JKI-Kleinmachnow hinsichtlich ihrer Krebsbiotypenresistenz geprüft werden. Die Genotypisierung dieses Materials erfolgt beim MPIZ. Das Ziel dieser Arbeiten ist eine Entwicklung von molekularen Markern.

    Mit einem „Blick nach vorn“ beschloss Frau Gebhardt ihren eindrucksvollen Vortrag. Sie stellte fest, dass die molekulare Genomanalyse beim Menschen u.a. wegen des mehrfach höheren Arbeitsumfangs und Mitteleinsatzes von Anfang an der bei der Kartoffel um rd. 10 Jahre voraus, aber grundsätzlich ähnlich ist. Deshalb darf die vollständige Sequenzierung des Kartoffelgenoms in 2-5 Jahren erwartet und ein whole genome association mapping mit der multiparallelen Genotypisierung von SNPs möglich werden. Die Beiträge des MPIZ dazu sind bis 2015, dem Ausscheiden von Frau Gebhardt (und auch Herrn Koornneef), sichergestellt, aber weitergehende Voraussagen sind zufolge der MPG-Regel: „neue Forscher – neues Programm“ derzeit nicht möglich.

    Bereichert wurde das Vortragsprogramm des ersten Halbtags durch eine Besichtigung des Schaugartens des Instituts mit seiner reichhaltigen Präsentation aller bei uns wichtigen Kulturpflanzen, die jährlich eine breite Öffentlichkeit und insbesondere zahlreiche Schulklassen anzieht, sowie der Versuchsgewächshäuser, zu deren teils überjährigem Zustand der kompetente Führer des Rundgangs, Herr Schuchert, kommentieren konnte, dass hier für die kommenden Jahre nennenswerte Mittel für Neuinvestitionen vorgesehen seien.

    Für ihre Übernachtung erreichten die Teilnehmer das Parkhotel Kerpen wegen der im Raum Köln-Bonn angespannten Verkehrssituation auf mehr oder weniger direkten Wegen, wurden dafür aber beim gemütlichen Beisammensein im zugehörigen Hotel Schweizer durch ein erstrangiges Menü entschädigt.

    Zur Fahrt auf das Versuchsfeld der KWK Nordrhein-Westfalen in Kerpen-Buir holte der zuständige Pflanzenbaureferent, Herr Löwenich, die Teilnehmer am Hotel ab. Seine Führung durch die Sortenversuche und Wertprüfung Kartoffeln war mit vielen aufschlussreichen Informationen gespickt. Von den 33.000 ha Kartoffeln in NRW stehen die meisten in der Köln-Aachener Bucht mit ihrer starken Lößauflage, guten Niederschlägen und günstigen Witterung. Allerdings wurde hier mit dem Kartoffelbau erst Mitte der 1980er Jahre begonnen. Aber seither konnte sich im Gebiet die Erzeugung sehr früher Kartoffeln erfolgreich entwickeln: 2008 wurden die ersten Kartoffeln im Januar gepflanzt und die ersten am 10. Mai geerntet! Die anwesenden Züchter von Saka und Europlant registrierten gern die guten Ergebnisse ihrer Sorten. Aktuelle Versuchsfragen sind in diesem Jahre die frühe Schalenfestigkeit und der Einfluss einer frühen Krautentfernung.

    Anschließend zeigte Herr Brendler, der Phytopathologe der Kammer, einen umfangreichen Versuch zur Kontrolle der Phytophthora, dem am Ort in der Kartoffel nach wie vor wichtigsten Krankheitserreger. Ende der 80er Jahre trat hier erstmals auch der A2-Typ auf, der in den folgenden Jahren zunehmende Aggressivität entwickelte. Seit Mitte der 90er veränderte sich das Rassenspektrum kaum noch. Aber die wirtschaftliche Relevanz von Phytophthora-Epidemien stieg weiterhin deutlich an, vermutlich aufgrund zunehmend günstiger Witterungsverhältnisse. Glücklicherweise hat die Industrie in den letzten Jahren eine Reihe neuer Wirkstoffe und Produkte (bessere Regenfestigkeit) auf den Markt gebracht. Hierzu konnte Herr Brendler einen umfangreichen Fungizidversuch an Bintje mit 7-, 10- und 14-tägigen Spritzabständen zur sicheren Vorbeugung epidemischen Phytophthora-Befalls vorstellen. Ein zweiter, ähnlich umfangreicher Versuch galt als Ringversuch der DPG der Alternaria-Bekämpfung.
    Den Abschluss der Tagung bildete eine eindrucksvolle Fahrt in den Braunkohle-Tagebau der RWE Power AG in Garzweiler: Größe der Abbaugrube 67 km2, aus der täglich rd. 1 Mio m3 Wasser abgepumpt werden müssen. Drei Kohleflöze, das unterste 170 m tief. Drei Schaufelradbagger (mit je 13.500 t Gewicht und 4 Personen Besatzung) bewegen täglich max. 240.000 m3 Kohle bzw. Abraum, die 5 km lange Laufbänder in 27 km/Std. Geschwindigkeit abtransportieren. Sie versorgen die beiden Kraftwerke Frimmersdorf und Neurath mit dem täglichen Bedarf von je 100.000 t Kohle und bringen den Rest in zwei Kohlebunker von je 300.000 t Lagerkapazität. Denn die erzeugte Energie wird rund um die Uhr und im Winter wie Sommer benötigt.

    Gleichzeitig erfolgt der Rückbau des Geländes in weitestgehend ursprünglicher Schichtung. Für die ersten 7 Jahre der Bewirtschaftung dieses Neulands betreibt die RWE in eigener Regie 3 Schirrhöfe. Einer der Betriebsleiter ist unser Führer, Herr Ing.agr. Woopen, der interessant von den Problemen auf diesen Großflächen berichtet. Diese sind mit ihrer gleichmäßigen 2m dicken Lößauflage zunächst biologisch tot und ohne jeglichen Humusgehalt. Als erste Frucht steht für 3 Jahre Luzerne, dann können Getreide folgen. Bodenherbizide wirken wegen des fehlenden Humus vielfach stärker als normalerweise, und schwere Landmaschinen können im Untergrund unreparierbare Druckschäden verursachen. Zweimaliger Zuckerrübenanbau kann zu epidemischer Nematodenvermehrung führen und Kartoffeln haben in den ersten Jahren keinerlei Geschmack, ihr erstmaliger Anbau ist frühestens nach 10 Jahren denkbar.

    (G.Röbbelen, Göttingen)